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Ein Schiff, das uns ganz besonders
ans Herz gewachsen ist,
ist das
Polarschiff „Nella Dan“. Das war
nicht immer so.
Die „Nella Dan“ wurde vom Museum
schon vor etwa 4 Jahren auf einem
Flohmarkt erworben, obwohl sie in
einem desolaten Zustand war.
Optimistisch wie wir waren, glaubten
wir, die abgebrochenen und fehlenden
Teile selber wieder herstellen und
montieren zu können. Doch waren die
Beschädigungen zu groß, und so stand
die „Nella Dan“ lange Zeit einsam
und ein wenig trostlos unbeachtet in
unserer Bibliothek. Es gab
schließlich Überlegungen, das Schiff
endgültig zu entsorgen. Doch dann
tauchte unerwartet unser rettender
Fachmann auf – ein Hobbymodellbauer
aus der näheren Umgebung. Er kam als
neugieriger Besucher, aber in einem
Gespräch erfuhren wir, dass er in
seiner Freizeit Schiffe, Flugzeuge
und andere Modelle baute. Das ließ
uns aufhorchen, und schließlich
fragten wir vorsichtig, ob er nicht
wisse, wie man den erbärmlichen
Zustand unseres Schiffs beheben
könnte. „Klar doch,“ sagte er,
packte das Modell unter den Arm und
verschwand. Schon nach wenigen Tagen
kam er mit der restaurierten und
kaum wieder zu erkennenden „Nella
Dan“ zurück. Das Schiff war
gründlich entstaubt, der Rumpf neu
gestrichen, das Ladegeschirr wieder
aufgeriggt, die
Hubschrauberplattform fachgerecht
bemalt, und viele klein Details
liebevoll angebracht. Er hatte sogar
einen Hubschrauber aufgesetzt, der
vorher gar nicht da war. Wir wollten
unseren Augen kaum trauen. Welch ein
schönes Schiff die „Nella Dan“ doch
war. Doch sehen Sie selbst!
Die restaurierte „Nella Dan“, ein
Prachtstücke des Schiffahrts-Museums.
Nun fragten wir uns, ob die „Nella
Dan“ nur ein Fantasieprodukt eines
Modellbauers war, oder ob sie
wirklich existiert oder existiert
hatte. Da war guter Rat erst einmal
teuer. Aber, wozu gibt es das
Internet? Wir gaben den Namen ein,
und schon nach relativ kurzer Zeit
stießen wir tatsächlich auf
zahlreiche Einträge, Einträge vom
entgegengesetzten Ende der Welt –
aus Australien! Nun wurde es richtig
spannend, und so nach und nach
erfuhren wir die ganze Geschichte
des kleinen Polarschiffs. Lesen sie
selbst!
Das Polarschiff „Nella Dan“
Die „Nella Dan“ ist eins von vier
Schiffen der dänischen Reederei
Lauritzen, die speziell für Fahrten
in arktische Gewässer gebaut wurden.
Deshalb besaß sie einen
Eisbrechersteven, Zwischenspanten
und Zwischenstringer, eine
verstärkte Außenhaut und eine
Doppelhülle aus Stahl, die
Temperaturen bis zu –50°C
standhalten konnten. Bei voller
Maschinenleistung und einer
Geschwindigkeit von 5-6 Knoten
konnte sie ein Meter dickes Eis
durchpflügen.
Die „Nella Dan“ wurde 1962 erstmalig
in Dienst gestellt und von der
Reederei bis auf wenige Ausnahmen an
die australische Regierung
verchartert. Sowohl der Kapitän als
auch die Besatzung verblieben im
Dienst der Reederei.
Die „Nella Dan“ wurde als
antarktisches Versorgungsschiff
eingesetzt. Sie belieferte ein
Basislager auf der Macquarie Insel,
die etwa auf halbem Weg zwischen dem
australischen Kontinent und dem
arktischen Eisrand liegt. Von hier
aus fuhr sie mit Lebensmitteln und
technischen und wissenschaftlichen
Ausrüstungen weiter zu diversen
australischen Forschungsstationen in
der Antarktis.
1979 wurde die „Nella Dan“ für
Tiefseeforschungen aufgerüstet. Sie
erhielt u. a. ein Hubschrauberdeck
und ein Amphibienfahrzeug und unter
Deck Labor- und Computerräume. Sie
besaß außerdem Vierbett-Kabinen, in
denen insgesamt 42 Passagiere
untergebracht werden konnten. Dabei
handelte es sich entweder um
Wissenschaftler der arktischen
Stationen oder um Mitarbeiter der
Tiefseeprojekte.
1987 lag die „Nella Dan“ mit
Versorgungsgütern vor der Macquarie
Insel, als plötzlich schlechtes
Wetter mit tosenden Stürmen aufzog.
Der Anker des Schiffes wurde dabei
aus dem Grund gerissen, und die
„Nella Dan“ trieb auf die Küste zu,
wo sie nur wenige Meter vor der
Insel auf Grund lief. Sie wurde
dabei so stark beschädigt, dass sie
nicht mehr zu retten war. Sie wurde
deshalb in 200 m tiefes Wasser
geschleppt, wo sie am 24. Dezember
1987 versank.
Insgesamt fuhr die „Nella Dan“ 27
Jahre in der Antarktis, ein Rekord,
der bisher von keinem anderen Schiff
eingeholt werden konnte. Sie hat
Hunderte von Forschern und
Wissenschaftlern befördert und
beherbergt. Ihnen allen war die
„Nella Dan“ ans Herz gewachsen, so
dass ihr Verlust zu einem schwarzen
Tag in der australischen
Antarktisforschung wurde.
 

Post von der „Nella Dan“
Nach weiteren Recherchen im Internet
konnten wir mehrere Briefe
ersteigern, die von der „Nella Dan“
aus abgeschickt wurden und deren
eigenen Stempel tragen. Dabei
stellten wir fest, dass die
Australier ihr sogar zwei
Briefmarken gewidmet hatten.
Zum Schluss sei noch gesagt, dass
wir auch auf mehrere Fan-Clubs der
„Nella Dan“ gestoßen sind. Einer der
Clubs zu Ehren des kleinen
Polarschiffs befindet sich, man
glaubt es kaum, am Rande der
australischen Wüste!
Christa Haenicke |